Pfadfindergruppe Stamm Hasko e.V. Stade

KluftDie Kluft

Mit dem Wort Kluft bezeichnen wir bei den Pfadfindern unsere Kleidung. Diese Kleidung lässt uns nach Außen hin als eine Einheit auftreten, macht uns als Pfadfinder kenntlich und weist mittlerweile eine 100-jährige Geschichte auf. Diese hier aufgezählten Punkte sollen im Folgenden kurz erläutert werden:

Bedeutung

Das heutige Verständnis der Kluft im BdP, unserem Bund, ist folgendes:

„Das Pfadfinderhemd und das Halstuch heißen bei uns „Kluft“. Sie ist keine Uniform, sondern ein persönliches Statement und zeigt, (...) dass wir zu der Gemeinschaft der Pfadfinderinnen und Pfadfinder gehören und mit ihnen unseren eigenen Weg gehen.“1

Der BdP meint, dass „Kleidung mehr denn je auch Statussymbol [ist], an der Kleidung wird das Einkommen abgeschätzt (oder das der Eltern) und [sie] wird dadurch zur Uniform anderer Art.“2 Für die Kinder und Jugendlichen unterschiedlicher Herkünfte, ob religiöser oder regionaler Art, wird es einfacher miteinander zu lernen, „wenn die private Kleidung, die Unterschiede dokumentiert, durch eine gemeinsame Tracht ersetzt wird. Das gemeinsame tragen der Tracht stärkt die Gruppe und macht nach außen deren Zusammengehörigkeit deutlich.“3

Wie die Kluft auszusehen hat, ist bei uns in der Stammesordnung festgeschrieben. Hieran haben sich alle Stammesmitglieder zu halten.

 

LilieDas allgemeine Zeichen der Pfadfinder, welches von Baden-Powell eingeführt wurde, ist die Lilie, „weil sie als Sinnbild der Reinheit gilt und die Form der früher gebräuchlichen Kompassnadel hat." Denn Kompassnadeln zeigen unbeirrbar in eine Richtung – „in die richtige Richtung und nach oben“, wie Baden – Powell sagte. "Außerdem sollen die drei Spitzen der Lilie an die drei Punkte des Versprechens erinnern.“4 Die verschiedenen Verbände der Welt haben jedoch die ursprüngliche Lilie verändert.5

Die blaugelbe Lilie des BDP, die einheitlich in der Pfadfinder- und Roverstufe getragen wird, gibt es seit der Bundesversammlung am 1./2. Mai 1954.6

 

Geschichte

Die Idee der Pfadfinderkleidung kam Baden-Powell, als er half, die Schutzpolizei Südafrikas auszubilden. Die Männer „trugen einen breitrandigen Filzhut, Halstuch und Khakihemden.“7 Er wollte eine einheitliche Pfadfinderkleidung schaffen, die genügend Bewegungsfreiheiten ließ und die Klassenunterschiede verdecken sollte, da die Organisation offen für Jugendliche aller Gesellschaftsschichten sein sollte und Klassenzugehörigkeit zu der Zeit eindeutig an der Kleidung abgelesen werden konnte.8

 

Die Kleidung des englischen Pfadfinders im Jahr 1909 sah folgender Maßen aus:

„Der Pfadfinder trägt keine bunte Uniform. Er will kein Aufsehen erregen und nicht mit seiner Tracht renommieren. (...) Zur Kleidung und Ausrüstung des Pfadfinders gehören im Allgemeinen folgende Stücke:

    Boyscouts

    Boy-Scouts 15

  1. ein breitrandiger Hut;
  2. ein buntes Halstuch, das locker um den Hals geschlungen wird;
  3. ein Flanellhemd,
  4. ein Büschel Bänder in der Farbe der entsprechenden Patrouille an der linken Schulter angeheftet;
  5. ein Gürtel, an den der gerollte Rock mit Schnallen befestigt werden kann;
  6. ein Rucksack zur Mitführung von Proviant und Reserve – Wäsche;
  7. Kniehosen;
  8. Wadenstrümpfe;
  9. Halb- oder Schnürschuhe;
  10. ein unbeschlagener Bergstock, damit man möglichst wenig Lärm macht. An dem Stock befindet sich eine Zentimeter – Einteilung;
  11. Pfadfinderabzeichen nach Vorschrift getragen;
  12. Signalpfeife für Feldkornetts, um den Hals an einer Schnur getragen:
  13. Verbandpäckchen.“ 9

 

Die heutige Tracht, Kluft oder Uniform10 unterscheidet sich in ihrer Form und ihrem Aussehen von Land zu Land und auch innerhalb Deutschlands gibt es viele Unterschiede zwischen den verschiedenen Verbänden.

Die Kluft des ersten deutschen Pfadfinderverbandes, dem DPB, lehnte sich stark an die Uniform deutscher Schutztruppen in Süd–West–Afrika an und wurde auch als solche (Uniform) bezeichnet.11

In den Jahren 1945 – 1965 gehörten das Hemd, die aufgenähte Lilie und das Halstuch zur Kluft. Zusätzlich wurde 1951 das „Deutschlandband“, was über der Hemdtasche bei Auslandreisen getragen werden sollte, eingeführt.12

In Folge der 1968er–Bewegung kam es dann zu verschiedensten Diskussionen über die Kluft, es gäbe durch sie keine „Ich – Stärkung“, sie würde „Gruppendruck“ auslösen oder sie wirke zu „militärisch“.13

Der BdP trägt seit seinem Bestehen ein blaues Klufthemd, die Lilie bzw. den Wolfskopf und das Halstuch.

 

Vorteile:

Die Pfadfinderkluft im Allgemeinen hat natürlich Ähnlichkeiten mit einer Uniform, schließlich liegen die Ursprünge, wie oben erwähnt, bei den Uniformen der Schutzpolizisten in Süd-West-Afrika. Es wurden Elemente dieser Uniformen übernommen, diese veränderten sich jedoch in den letzten 100 Jahren.

 

Auch die Idee der Farbgebung ist der Uniform plagiiert, das Klufthemd ist schlicht in dunklen Farben gehalten, so fällt man in der Natur nicht zu sehr auf.

Gleichermaßen bietet die Kluft Schutz gegenüber gewissem Klima, ist jedoch häufig im Sommer zu warm. Gegen tätigkeitsbedingte Einflüsse ist sie ebenfalls sehr gut ausgerüstet, da sie relativ robust und widerstandsfähig ist.

Modischen Strömungen unterliegt die Kluft wenig, was viele Pfadfinder als positiv bewerten. Die einheitliche Bekleidung lässt uns Pfadfinder nach Außen hin als Gruppe erkennen und stärkt vor allem auch sehr das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb unserer Gruppe. Der hier modernerer Begriff der Corporate Fashion, der die gemeinschaftliche Kleidung einer Gruppe bezeichnet, ein „neue Art der „Uniformierung“14, ist hier vielleicht besser geeignet, da mit ihr, Funktionalität und Sich-Wohlfühlen miteinander verbunden werden sollen.

 

 

 

 

Veränderter Auszug aus der Fachpraktischen Prüfung „Die BdP-Kluft – Alt trifft Neu“ von Annabel Kleenlof vom 19.10.2006.

 


Quellangaben:

  1. 1 Faltblatt des BdP e.V. (Hr.): Echt im Leben!
  2. 2 http://www.bdp-bawue.de, Zugriff am 20.07.06, 11:27Uhr.
  3. 3 Ebd.
  4. 4 Hansen, Walter: Das große Pfadfinderhandbuch. Wien – Heidelberg, Verlag Carl Ueberreuter, 1979, S. 55.
  5. 5 Vgl BdP-Lilie auf Seite 6; der BdP hat die Lilie des BDP nach dem Zusammenschluss mit dem Bund Deutscher Pfadfinderinnen mit dem dreiblättrigen Kleeblatt/dem WAGGGS-Abzeichen – Symbol der Pfadfinderinnen – vereinigt, weshalb einige zur BdP-Lilie ‚Klilie’ sagen.
  6. 6 Vgl: Hübner, Axel/ Klatta, Rolf/ Swoboda, Herbert: Straßen sind wie Flüsse zu überqueren – Ein Lesebuch zur Geschichte des Bundes Deutscher Pfadfinder(BDP). Frankfurt a.M., Verlag Jugend & Politik, 1981, S. 215.
  7. 7 Hansen, Walter: Das große Pfadfinderhandbuch. Wien – Heidelberg, Verlag Carl Ueberreuter, 1979, S. 31.
  8. 8 Vgl: http://www.bdp-bawue.de, Zugriff am 20.07.06, 11:27Uhr.
  9. 9 Lion, Stabarzt Dr. Alexander (Hr.): Das Pfadfinderhandbuch: nach General Baden – Powell „Scouting for Boys“/unter Mitw. von Offizieren u. Schulmännern. Nachdr. d. Ausg. München, Verl. d. Ärztl. Rundschau Gmelin, 1909. Baunach, Ed. Hinkel, Dt. Spurbuchverl., 1987, S. 329 ff.
  10. 10 Die Kluft wird in verschiedenen Ländern verschieden benannt, in Deutschland ist spätestens seit dem 2. Weltkrieg der Begriff der Uniform verpönt.
  11. 11 Vgl: Nerrlich, Helmut: Das Pfadfindertum in Deutschland – Von der Entstehung zur Verbotszeit – Perönliche Erlebnisse. Baunach,Deutscher Spurbuchverlag, 1986, S. 12 ff.
  12. 12 Vgl: Kahl, Pieter: Traditionen und Veränderungen im deutschen Pfadfindertum nach 1945. Iserlohn, 1982, S. 34 f.
  13. 13 Vgl: Kahl, Pieter: Traditionen und Veränderungen im deutschen Pfadfindertum nach 1945. Iserlohn, 1982, S. 124. Der BDP trägt seit der Zersplitterung Anfang der 1970er Jahre keine Kluft mehr.
  14. 14 Knecht, Petra (Hg.): Funktionstextilien. High-Tech-Produnkte bei Bekleidung und Heimtextilien. Grundlagen-Vermarktungskonzepte-Verkaufsargumente. Frankfurt a. M., Deutscher Fachverlag GmbH, 2003, S.187.
  15. 15 Lion, Stabarzt Dr. Alexander (Hr.): Das Pfadfinderhandbuch: nach General Baden – Powell „Scouting for Boys“/unter Mitw. von Offizieren u. Schulmännern. Nachdr. d. Ausg. München, Verl. d. Ärztl. Rundschau Gmelin, 1909. Baunach, Ed. Hinkel, Dt. Spurbuchverl., 1987, S. 330.

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